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Die Experimentbeschreibungssprache ermöglicht dem Anwender die vollständige Beschreibung abgeschlossener Experimente.

Um eine Experimentbeschreibung leistungsfähig zu machen, müssen neben der seriellen Bearbeitung der Kommandos, wie sie in Kommandoprozeduren möglich sind, noch die folgenden Möglichkeiten bereitstehen:

  • Deklaration lokaler Variablen
  • Kontrollstrukturen wie z. B. Verzweigungen und Schleifen
  • Funktionen
  • Felder
  • Zugriff auf Modellvariablen

Die Beschreibung eines Experiments mit Hilfe der Modellbeschreibungssprache SIMPLEX-EDL entspricht der Beschreibung einer Arbeitssitzung mit Hilfe eines shell-scripts in UNIX.

Von besonderer Bedeutung ist die Tatsache, dass für bestimmte Arten von Experimenten einmalig Experimentbeschreibungen angelegt werden können, die für unterschiedliche Modelle eingesetzt werden können. Hierzu zählen z. B.:

  • Serienuntersuchungen mit fortlaufender Modifikation von Parametern
  • Sensitivitätsanalyse
  • Optimierung

Eine ausführliche Beschreibung der Experimentbeschreibungssprache SIMPLEX-EDL findet man in:

Wittmann, J.: Eine Benutzerschnittstelle für die Durchführung von Simulationsexperimenten ? Entwurf und Implementierung der Experimentierumgebung für das Simulationssystem SIMPLEX II; herausgegeben von The Society for Computer Simulation (SCS), San Diego 1993.


1. Das Anlegen eines Experiments

Grundsätzlich wird ein Experiment mit EDL wie folgt angelegt:

EXPERIMENT <Name>
VALUE SET
DECLARATION OF PROGRAMS
DECLARATION OF VARIABLES
BODY OF EXPERIMENT
END OF <Name>

VALUE SET
Angabe der selbst definierten Variablen

DECLARATION OF PROGRAMS
Angabe der externen Programme

DECLARATION OF VARIABLES
Deklaration der EDL-Variablen.
An dieser Stelle ist es nicht erforderlich, die Modellvariablen, die in der EDL-Beschreibung
verwendet werden, nochmals anzugeben.

BODY OF EXPERIMENT
Die Experimentbeschreibung darf alle Kommandos des Experimentiersystems von Simplex3 verwenden.


2. Die Deklaration und Verwendung von Variablen in EDL

Im Abschnitt DECLARATION OF VARIABLES werden alle in der Experimentbeschreibung verwendeten Variablen deklariert. Modellgrößen und feste Schlüsselwörter der Experimentierumgebung bedürfen keiner Deklaration und können im Rumpf der Experimentbeschreibung frei verwendet werden. Als mögliche Variablentypen sind LOGICAL , INTEGER , REAL und CHARACTER sowie selbst definierte Aufzählungstypen erlaubt:

<VarName> (<VarTyp>) := <Wertzuweisung> [,]

Beispiel:

DECLARATION OF VARIABLES

Start (LOGICAL) := TRUE,
Vergleich (INTEGER) := 0,
alpha (REAL) := 0.2,
Text (CHARACTER) := "Hallo"

Weitere Beispiele findet man in Abbildung 3 Die Beschreibung des Experiments ExpPendel in den Zeilen 3 bis 10.

Alle EDL-Variablen können auch als Feld von Variablen gleichen Typs angelegt werden.

Die Deklaration von Feldern erfolgt analog zu Simplex-MDL. Nach dem Schlüsselwort ARRAY folgt die Angabe der Größe der einzelnen Dimensionen. Die Anzahl der Dimensionen ist auf 3 begrenzt. Anschließend werden der Feldname und der Feldtyp in runden Klammern angegeben.

Um Fehler durch implizite bzw. zufällige Initialisierungen durch den Rechner zu vermeiden, wird für alle Variablen die Angabe einer Anfangsbelegung gefordert.

Beispiele:

DECLARATION OF VARIABLES

ARRAY [3][7] Gewichte (REAL) := 1.0,
ARRAY [3] Ausgabe (INTEGER) := 4


Die Zuweisung erfolgt an alle Komponenten des Feldes. Im obigen Beispiel gilt für den Vektor

Ausgabe[1] = 4
Ausgabe[2] = 4
Ausgabe[3] = 4

In EDL ist es möglich, eigene Variablentypen zu definieren. Das geschieht im Abschnitt VALUE SET .

VALUE SET
<TypBezeichner> : ( ´ <Wert1> ´ , ´ <Wert2> ´ ,... )

Beispiel:

VALUE SET
Ampelfarbe : ( ´ rot ´ , ´ gelb ´ , ´ gruen ´ )

DECLARATION OF VARIABLES
Ampel (Ampelfarbe) := ´rot´

In der Experimentbeschreibung werden diese EDL-Variablen in der gewohnten Weise mit ihrem Namen angesprochen.

Beispiel:

Start := FALSE;
alpha := Vergleich + 20;
Ausgabe[2] := Gewichte[3][2] * 2;

Ein weiteres Beispiel findet man in Abbildung 3 Die Beschreibung des Experiments ExpPendel in der Zeile 30.

Die Verwendung von Indexausdrücken und Indexmengen in EDL-Variablen erfolgt analog zu Simplex-MDL.

In EDL dürfen Indexmengen nur auf der linken Seite von Zuweisungen verwendet werden.

Beispiele:

Für die nachfolgenden Beispiele werden folgende Felder von EDL-Variablen deklariert:

DECLARATION OF VARIABLES
ARRAY [6] X (INTEGER) := 0,
ARRAY [3][5] Y (INTEGER) := 1
BODY OF EXPERIMENT

• Ein Element aus einem Feld wird durch die Angabe eines Index identifiziert.

X[1] := 2;
Y[1][1] :=2;

• EDL-Variablen mit einzelnen Indexausdrücken in einer FOR-Schleife.

FOR k FROM 1 TO 3 REPEAT
Y[k][k+1] := X[k + X[1]] + X[7 ? 2*k];
END LOOP

• Indexmenge mit festen Bereichsangaben. Die Zuweisung wird für alle angegebenen Indizes ausgeführt.

X{1..3} := 1;
Y{2..3}{1..4} := 3 ;

• Das Schlüsselwort ALL bezeichnet alle möglichen Indizes.

X{ALL} := Y[1][1];

• Es wird ein Bezeichner für die Indexmengen mit Bereichsangaben eingeführt. Mit diesem Index kann innerhalb einer Zuweisung gerechnet werden.

X{i OF 1..2} := 3 * i;
Y{ALL}{Index OF 1..5} := X[Index +1] + 4*Index;

Anmerkung
Ein Bezeichner einer Indexmenge wird implizit deklariert und kann natürlich nicht vorher
verwendet werden.

• Ansprechen aller Indizes durch das Schlüsselwort ALL.

X{ALL j} := j * X[j];

• Einschränken von Indexmengen durch Bedingungen.

Y{ALL i | Y[i][1] > 0}{j OF 2..5 | X[j] = 0 AND Y[i][j] > 0}:=i+j;


3.Der Zugriff auf Modellvariablen

Neben der Verwendung der EDL-Variablen ist auch ein Zugriff auf Modellvariablen möglich.

Um eine eindeutige Unterscheidung zu Variablen der Experimentbeschreibung zu gewährleisten, müssen Modellgrößen in spitze Klammern ´<´ ´>´ eingeschlossen werden.

Beispiel:

<Hase> := 50;
<Fuchs> := 3 * Eingabe - Abzug;

In Abbildung 3 Die Beschreibung des Experiments ExpPendel zeigt Zeile 24 ein Beispiel für den Zugriff auf eine Modellvariable.

Soll auf eine Modellgröße in einem hierarchischen Modell zugegriffen werden, so ist der vollständige Pfad anzugeben. Die einzelnen Subkomponenten werden hierbei durch einen Schrägstrich (Slash, ´/´ ) getrennt. Der Name der hierarchisch gesehen am höchsten liegenden Komponente darf nicht erscheinen.

Beispiel:

<Blut/Thyroxin> := Wert;

In EDL besteht auch die Möglichkeit, auf Modellgrößen zuzugreifen, die aus einem früheren Lauf oder aus einem anderen Break stammen. Hierzu ist der Laufname, der Breakzeitpunkt und der Zustand anzugeben.

Beispiele:

• Der EDL-Variablen AnzHasen wird der Wert von Hase zugewiesen, den das Modell im Lauf mit dem Namen Lauf2 zum Zeitpunkt Break2 hatte. Hierbei wird im Break2 auf den Anfangszustand Ini zugegriffen.

AnzHasen := <Lauf2/Break2/Ini//Hase>;

• Zugriff zum Zeitpunkt Break1 im Zustand End .

Feld[3] := <Run1/Break1/End//Ausgabe[6]>;

Grundsätzlich ist dabei zu beachten, dass im Pfad zwischen Laufangaben und Variablenname ein doppelter Schrägstrich ( ´//´ ) steht. Bei hierarchischen Modellen trennt der doppelte Schrägstrich Laufangaben und Variablenpfad.

Beispiele:

Zufall := <Run1/Break1/End//Quelle/Ankunft>;
Richtung := <Galton1/Break1/End//Stift[5]/Richtung>;

Im ersten Beispiel wird der EDL-Variablen Zufall der Wert der Modellvariablen Ankunft aus der Subkomponente Quelle zugewiesen.

Bei Locations ist als Trennzeichen zur mobilen Komponente ein Doppelpunkt ( ´:´ ) einzufügen. Das Trennzeichen das einer mobilen Komponente folgt ist ein Punkt ( ´.´ ), um die Attribute einer mobilen Komponente anzusprechen oder den Pfad fortzusetzen, falls die mobile Komponente ihrerseits wieder Locations enthält.

Beispiel:

Wartezeit := alteZeit + NeueZeit * <Station[2]/WarteP:Werkstk[1].TBearb>;

In diesem Beispiel wird der EDL-Variablen Wartezeit ein neuer Wert zugewiesen.

Hierbei wird auf das Attribut TBearb der mobilen Komponente Werkstk , die sich in der Location WarteP an erster Stelle befindet, zugegriffen. Die Location WarteP ist Element einer Komponente, die als 2. Element zum Array Station (definiert in der höchsten Komponente als Feld von Komponenten) gehört.

Die Kenngrößen einer Location, z. B. NMean, DWMean, usw. werden in einer Experimentbeschreibung wie Variablen behandelt. Das Trennzeichen zwischen Location und Kenngröße ist ein Gartenzaun ( ´#´ ).

Beispiel:

MittelWert := <WarteP#NMean>

Indexausdrücke und Indexmengen können in Modellgrößen genauso verwendet werden wie in EDL-Variablen. Dies gilt auch für Pfadelemente wie Komponenten und Locations, die in SIMPLEX-MDL als Feld angelegt werden können. Mobile Komponenten müssen genau einen Index aufweisen.

Eine Ausnahme bildet das Schlüsselwort ALL , das in Modellgrößen nicht erlaubt ist. EDL-Variablen und Bezeichner, die in einer Indexmenge deklariert wurden, dürfen als Namen von Pfadelementen nicht mehr verwendet werden, um Zweideutigkeiten und Konflikte mit Modellgrößen von SIMPLEX-MDL zu vermeiden.

Folgende Beispiele demonstrieren den Einsatz von Indexausdrücken und Indexmengen in Modellgrößen:

Beispiele:

• Modellgröße mit einzelnen Indexausdruck innerhalb von FOR-Schleifen.

FOR i FROM 1 TO 3 REPEAT
FOR k FROM 1 TO 7 REPEAT
<Komp[i]/mdl_var[k]> := edl_var[i][k];
END LOOP
END LOOP

Hier werden in den als Feld angelegten Komponenten Komp[i] den Modellgrößen mdl_var[k] die entsprechenden Werte der EDL-Variablen edl_var[i][k] zugewiesen.

• Die Schleifenkonstrukte aus Beispiel 1 lassen sich durch Indexmengen mit Bezeichnern ersetzen.

<Komp{i1 OF 1..3}/mdl_var{i2 OF 1..7}> := edl_var[i1][i2];

• Pfadelemente mit Schleifenindex und Indexmenge mit Bedingung.

FOR i FROM 1 TO 3 REPEAT
<Komp[i]/mdl_var{index OF 1..7 | i < edl_con OR index < edl_con}> := edl_var[i][index];
END LOOP

Hier erfolgt die Zuweisung nur falls einer der Indizes i bzw. index kleiner als der Wert der EDL-Variable edl_con ist.

• In Indexmengen von EDL-Variablen darf ALL eingesetzt werden

Wartezeit{ALL i} := alteZeit + NeueZeit
* <Station[i]/WarteP:Werkstk[1].TBearb>;

• Verwendung eines Indexbezeichners beim Zugriff auf eine Modellgröße

Feld{index OF 1..5} := <Run1/Break1/End//Ausgabe[6-index]>;

• Auftreten von Pfadelementen mit bis zu 3-dimensionalen Indizes in Modellgrößen.

<High{1..3}/Low/mdlvar{i1 OF 1..10 }{i2 OF 1..10}{i3 OF 1..10}> :=
i1*100 + i2*10 + i3;

Setzen der als Feld deklarierten MDL-Variable mdlvar in der Subkomponente Low der übergeordneten, als Feld angelegten, Komponente High.


4. Befehle des Experimentiersystems

Die Beschreibung des Experiments erfolgt in dem Abschnitt BODY OF EXPERIMENT .

Hier können alle Kommandos des Experimentiersystems eingesetzt werden. Zu den wichtigsten Kommandos zählen die folgenden:

CRRUN <Laufname> , <Modellname> ;

Anlegen eines neuen Modells mit dem dazugehörigen Lauf.

Ein Beispiel findet man in Abbildung 5 Die Beschreibung des Experiments ExpPendel in Zeile 15.

SIMULATE TO <Zeitpunkt>

Starten eines Simulationslaufes bis zum Endzeitpunkt.

(siehe als Beispiel Abbildung 3 Die Beschreibung des Experiments ExpPendel in Zeile 27).

SELRUN <Laufname>

Auswählen eines Laufes.

DELRUN <Laufname>

Löschen eines Laufes.

Beispiele findet man in Abbildung 3 in den Zeilen 18 und 19.

Um einen Observer anzulegen, stehen im Experimentiersystem die entsprechenden Kommandos zur Verfügung. Weiterhin muss angegeben werden, welche Modellgrößen aufgezeichnet werden sollen.

Beispiel:

ObsComplete <Observername> <Aufzeichnungsbeginn> <Aufz.Ende>;
AddVar <Observername> <Variable1> <Variable2> ... ;

Bei der Angabe der Modellgrößen ist bei hierarchischen Modellen wieder die Pfadangabe erforderlich. Allerdings fallen in diesem Fall die spitzen Klammern zur Kenzeichnung der Modellvariablen weg. Außerdem sind keine Lauf- bzw. Breakangaben möglich.

Um auf Daten von aufgezeichneten Modellvariablen zugreifen zu können muss zuerst der Name des Observers angegeben werden. Dem Pfad auf die aufgezeichnete Modellgröße ist ´#/´ als Trennzeichen voranzustellen.

Das folgende Beispiel veranschaulicht das Anlegen von Observern und den Zugriff auf aufgezeichnete Variablen:

Beispiel:

EXPERIMENT test
DECLARATION OF VARIABLES
BODY OF EXPERIMENT
SELEXP Work;
CRRUN Run100, Biotop_1;
OBSCOMPLETE obs, 0, 100, 0.1;
ADDVAR obs, Hase, Fuchs;
SIMULATE TO, 10;
DRAW obs#/Biotop_1/Hase, present=Line;
END OF test


5. Standardfunktionen

In EDL können alle Standardfunktionen aus MDL verwendet werden. Hierzu gehören z. B. die Funktionen IMOD,IDIV usw.

Von besonderer Bedeutung ist die DISPLAY -Funktion. Sie hat dieselbe Syntax wie in MDL.

In Abbildung 3 Die Beschreibung des Experiments ExpPendel zeigen die Zeilen 42-44 Beispiele für DISPLAY -Anweisungen.


6. Verzweigungen

Verzweigungen können beliebig tief geschachtelt sein.

Eine Verzweigung hat in EDL die folgende syntaktische Form:

IF <logischer Ausdruck> DO
<Anweisungen>
END
{ELSIF <logischer Ausdruck> DO
<Anweisungen>
END }
[ ELSE DO
<Anweisungen>
END ]

Beispiel:

IF Wert = 0 DO
DISPLAY(?Erfolgreiches Erkennen der Eingabe!\n?);
END
ELSIF Vergleich = 1 DO
DISPLAY(?Eingabe zum Teil richtig erkannt.\n?);
END
ELSE DO
DISPLAY(?Es wurde kein Erfolg erzielt!\n?);
END

Ein Beispiel für eine einfache Verzweigung findet man in Abbildung 3 Die Beschreibung des Experiments ExpPendel in den Zeilen 17-21.


7. Schleifen

Für die FOR-Schleife gilt:

FOR <Bezeichner> [REVERSE] FROM <Ausdruck1> TO <Ausdruck2>
REPEAT
<Anweisungen>
END LOOP

Beispiel:

FOR i FROM 1 TO 3 REPEAT
Feld[i] := 2 * i + 1;
END LOOP

Die WHILE-Schleife läuft im Gegensatz zur FOR-Schleife nicht über eine fest vorgeschriebene Anzahl von Wiederholungen, sondern solange, wie der logische Ausdruck wahr ist.

Für die WHILE-Schleife gilt:

WHILE <logischer Ausdruck>
REPEAT
<Anweisungen>
END LOOP

Beispiel:

WHILE Zahl > 0
REPEAT
Zahl := Zahl - 1;
DISPLAY("Der Wert von Zahl ist %d .\n", Zahl);
END LOOP

Eine Endlos-Schleife mit einer EXIT -Anweisung ermöglicht es, die Schleife aufgrund einer Bedingung zu verlassen. Die Syntax hat die folgende Form:

LOOP <Schleifenname>
<Anweisungen>
IF <logischer Ausdruck> DO
EXIT <Schleifenname>;
END
<Anweisungen>
END LOOP <Schleifenname>

Beispiel:

LOOP <Wiederhole>
Zahl := Zahl ? 1;
IF Zahl <= 0 DO
EXIT <Wiederhole>;
END
DISPLAY(?Der Wert von Zahl ist %d .\n?, Zahl);
END LOOP <Wiederhole>

Eine Endlos-Schleife mit einer EXIT-Anweisung findet man in Abbildung 3 Die Beschreibung des Experiments ExpPendel in den Zeilen 16, 33 und 39.


Das Modell Pendel

Am Beispiel des Modells Pendel soll die Vorgehensweise bei der Durchführung von Experimenten beschrieben werden. Die Aufgabenstellung entstammt der Zeitschrift EUROSIM-Simulation News Europe Nr. 7, März 1993.

Das untersuchte System ist als Standardaufgabe aus der Physik bekannt: Es handelt sich um eine Variation eines einfachen Pendels. Die entsprechende Bewegungsgleichung lautet

Wie aus Abbildung 1 ersichtlich, kann das Pendel an einen Pin stoßen, der im Winkel ?p von der Senkrechten und im Abstand l p vom Aufhängepunkt angebracht ist. In diesem Fall schwingt das Pendel mit einer um l pverkürzten Fadenlänge um den Pin als Rotationsachse weiter. Dabei bleibt die Bewegungsgleichung weiterhin gültig, nur die Winkelgeschwindigkeit ? ' ändert sich bei einem Winkel von ?p gemäß dem Längenverhältnis von l zu l p auf den Wert


.
Auf dem Rückweg geschieht analoges: Das Pendel schwingt mit der ursprünglichen Fadenlänge l, die Winkelgeschwindigkeit verändert sich wiederum zu


.

Den Aufbau des Modells zeigt Abbildung 1.

Abbildung 1: Der Aufbau des Modell Pendel

Als Näherung der exakten Lösung kann man die Bewegungsgleichung linearisieren. Sie lautet dann:

Für die Parameter des Modells soll gelten:
Masse m 1.02 kg
Länge l 1.0 m
Länge lp 0.7 m
Erdbeschleunigung g 9.81 m/sec 2
Dämpfung d 0.2 kg/sec

Die Aufgabe stellt sich nun wie folgt:
Bei gegebener, fester Anfangsbelegung für  ist die Winkelgeschwindigkeit zum Zeitpunkt
t =t 0 so zu bestimmen, dass die maximale Auslenkung des verkürzten Pendels φ genau den
Wert annimmt.

Die Aufgabe besteht also darin, so lange wiederholt Simulationsläufe mit jeweils modifizierter Anfangsgeschwindigkeit durchzuführen, bis die in der Aufgabenstellung vorgegebene Auslenkung tatsächlich erreicht wird.

Abbildung 2 zeigt zunächst die Modellbeschreibung für das Modell Pendel in SIMPLEX-MDL.

Man sieht in den Zeilen 5-11 die Deklaration der Konstanten. Simplex3 kennt Dimensionen und ihre selbständige Umrechnung.

Es folgt die Vereinbarung der Zustandsvariablen in den Zeilen 12-17.

Die Länge l wird nur in Ereignissen modifiziert und gilt daher als diskret. Die Auslenkung phi sowie die Winkelgeschwindigkeit phi_1 (erste Ableitung von phi ) sind demgegenüber kontinuierlich, da ihre zeitlichen Änderungen über Differentialgleichungen bestimmt werden.

Die beiden Differentialgleichungen für phi und phi_1 findet man in den Zeilen 19-22.

Das zeitdiskrete Umschalten der Pendellänge und der Winkelgeschwindigkeit erfolgt in den beiden Ereignissen in den Zeilen 23-28 bzw. 29-35.

Die Modellspezifikation mit Hilfe von SIMPLEX-MDL lehnt sich in natürlicher Weise an die gewohnte Schreibweise an. Sie ist nahezu selbstdokumentierend.

Das Experiment geht über die reine Kommandofolge, wie sie in einer Kommandoprozedur möglich ist, hinaus. Es muss vielmehr ein Suchalgorithmus implementiert werden, der die Verwendung von eigenen Umgebungsvariablen und Kontrollstrukturen notwendig macht. Weiterhin muss auf Modellvariablen zugegriffen werden. Abbildung 3 zeigt die Experimentbeschreibung des Experiments ExpPendel .

In den Zeilen 2-10 werden Umgebungsvariablen definiert, die das Experiment zur Durchführung der Suche benötigt. Hierzu gehört z.B. die Geschwindigkeit veloc, mit der das Pendel losgelassen wird, oder die Genauigkeit accuracy , die angibt, ob die tatsächliche Auslenkung nahe genug an den Zielwert -? /2 herangekommen ist.


Abbildung 2: Die Modellbeschreibung der Komponente Pendel


Abbildung 3: Die Beschreibung des Experiments Pendel

In Zeile 14 wird das Modell ausgewählt, mit dem experimentiert werden soll. Falls das Experiment ExpPendel mit anderen Modellen durchgeführt werden soll, ist an dieser Stelle der Modellname zu ändern.

Um Modellvariablen in der Experimentbeschreibung gesondert zu kennzeichnen, werden sie grundsätzlich in spitze Klammern < Name > eingeschlossen.

Zu den Modellvariablen gehören der Winkel phi und die Winkelgeschwindigkeit phi_1 . Sie werden im Modell Pendel in den Zeilen 16 und 17 deklariert. In der Dynamikbeschreibung erscheinen sie unter anderem in Zeile 20 und 21.

Im Experiment ExpPendel wird der Modellvariablen phi_1 in Zeile 23 ein neuer Wert zugewiesen. Die Modellvariable phi wird in den Zeilen 29-30 benötigt, um festzustellen, ob die tatsächliche Auslenkung im Modell mit der gesuchten Auslenkung phi_targ übereinstimmt.

Anmerkung:

In Zeile 29 der Experimentbeschreibung wird der Wert der Modellvariablen phi an die EDL-Variable
phi_mdl übergeben, da in der Argumentenliste von Standardfunktionen wie z. B. der Funktion ABS
(siehe Zeile 30) keine Modellgrößen vorkommen dürfen.

In einer Suchschleife, die von Zeile 15 bis Zeile 38 reicht, wird die Anfangsgeschwindigkeit schrittweise so lange modifiziert, bis der gesuchte Winkel innerhalb der gewünschten Genauigkeit gefunden wurde.

Die Experimentbeschreibung in Abbildung 3 sieht vor, dass der Simulationslauf bis T = 10 Sekunden geführt wird. Da jedoch die maximale Auslenkung des Pendels gesucht wird, muss der Simulationslauf dann abgebrochen werde, wenn diese erreicht ist. Das hierzu nötige Konstrukt befindet sich in der Modellbeschreibung in den Zeilen 35 bis 39.

Nach sechs Schleifendurchläufen terminiert dieses Experiment mit einem Wert für die Winkelgeschwindigkeit zum Startzeitpunkt von j ' 0 = 2.29268, was eine maximale Auslenkung von j max = -1.57095 zur Folge hat.

Die Ausgabe erfolgt über die Laufzeitmeldungen mit Hilfe der DISPLAY-Anweisungen in ExpPendel (siehe die Zeilen 39-43).

Anmerkung:

Bei Kommentaren in EDL muss nach dem #-Symbol ein Blank folgen. Siehe z.B. Abbildung 3: Die
Beschreibung des Experiments Pendel
Zeile 11 und 12.


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Die Experimentbeschreibung EDL:

Die Entwicklung des Simulationssystems Simplex
Web-basierte Simulation
Anwendungsbezogene Projekte mit
Industriepartnern

Optimierung

Allgemeine Simulationstechnik